Rajasthan ist eines der ursprünglichsten und farbenprächtigsten Gebiete ganz Indiens. Es ist die Heimat der Maharadschas (Fürsten), die diesen Teil Indiens über 1000 Jahre lang beherrscht hat. Zeugen der historischen Bedeutung Rajasthans sind nicht nur die filigranen Marmorpaläste, die zu den grossen Wundern der Welt gehören und die imposanten Wüstenfestungen, sondern auch eine einzigartige und abwechslungsreiche Landschaft, bizarre Gebirge, künstlich angelegte Seen und schließlich die Wüste Thar mit ihrer endlosen Weite.
Fast jede Stadt in Rajasthan hat sein eigenes riesiges, kriegserprobtes Fort. Sie sind stumme Zeugen einer kriegerischen Vergangenheit. Erwähnenswert ist aber auch, was das für Forts waren und teilweise noch sind: Zinnen, Gefechtstürme und massive Mauern mit Palästen von erstaunlichem Luxus und unübersehbarem Reiz. Sie erinnern an die Zeit der Rajputen (kriegrische Kaste) und an ihre geistige Haltung als Ehrenmänner, die Tapferkeit über alles stellten.
Der Reiz Rajasthans liegt aber nicht nur in den Forts und den Palästen. Es sind die Menschen, die die farbenfrohe Atmosphäre schaffen. Stolz prägen die Männer ihr Außeres durch einen farbenfrohen Turban, und fast alle tragen einen Schnauzer, der beim Essen in die Suppe taucht.
Die Frauen mit ihren ebenso bunten Gewändern, über und über mit kleinen Spiegeln besetzt, stehen den Männern hinsichtlich der Kleidung und Farben nicht nach. Die Frauen ergänzen ihre malerische Kleidung noch durch klotzigen Schmuck, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes von Kopf bis Fuß. Ein Besuch dieser großartigen alten Wüstenstädte mit ihren starken Festungen und der Atmosphäre ehemaliger Karawanenstädte ist ein besonderes Erlebnis. Denn auch das ist Rajasthan !
Die Märchenpracht überlebt..Rajasthan und seine Maharajas

Paläste, Elefanten, Tigerjagden und Juwelen - das war jahrhundertelang das unentbehrliche Zubehör eines jeden beseren Maharajas. Erstaunlich, aber wahr: Viele Familien der Maharaja erfreuen sich auch heute noch fast derselben Annehmlichkeiten. Bis auf die Tigerjagd, die auch sie nur mit der Kamera ausüben dürfen.
Was die Elefanten betrifft, so genießen viele Maharaja-Familien so hohes Ansehen, daß ihnen bei einem Festumzug allemal ein reichgeschmückter Elefant samt Elefantenführer (Mahout) zur Verfügung gestellt wird. Die standesgemäße Howdah dazu, den silbernen oder sonstwie prächtigen Elefantensessel, entnehen die abgedankten Herrscher ihrem Privatpalastmuseum.
Über fast ein Jahrtausend hin wechselte die Politik der Maharajas gegenüber ihren Gegern - voran den muslimischen Moguln und später der britischen Kolonialmacht - zwischen erbittertem Widerstand und Bündnissen, die teils erzwungen, teils aus freien Stücken geschlossen wurden. 1947 widersetzten sich nur wenige dem Appell, die Herrschaft in ihren Fürstentümern an die gewählte Regierung des unabhängigen Indien abzugeben. Einzelne unnachgiebige wurden mit Waffengewalt zur Abdankung gezwungen. Nach 1971 nahm Frau Indira Gandhi den Fürsten nach der Macht auch ihre Privilegien und staatlichen Zuwendungen. Von den Thronsesseln ihrer rund über 100 großen, kleinen und sehr kleinen Fürstentümer wechselten etliche Maharajas auf Parlamentssitze oder Ministersessel, andere wurden Unternehmer, wieder zehrten ihre Erbe auf und reihten sich schließlich ins Heer der gewöhnlichen Sterblichen ein. Den exzessiv verschwenderischen Lebensstil ihrer Großväter und Urgroßväter zur Zeit des britischen Raj haben die meisten abelegt, erhalten aber blieb die fabulöse Pracht ihrer Paläste. In vielen sind Touristen als Hotelgäste herzlich willkommen.