Ranthambhore ist eine zauberhafte Naturoase, die sich in einer
kargen Bergkette verbringt. Die schroffen Felswände und die steinigen Hänge
haben die Wildnis in Ranthambhore über Jahrtausende vor einer
Umwandlung in Ackerland bewahrt.
Dieses Gebiet Ranthambhore mit den Überbleibseln vergangener Zeiten
ist ein historisch bedeutsames Mahnmal der düsteren Vergangenheit. Das
Fort von Ranthambore war Zentrum eines Hindu-Königreiches, das im Jahr
1301 von Allaudin Khiljis Armee belagert wurde. Er besiegte später den
Hindu-König, Raja Hamir und wurde erneut ein mächtiges Königreich.
Der Mughal-Herrscher Akbar belagerte sie 1569, nachdem er im Jahr zuvor das
Fort bei Chittor genommen hatte, und eroberte sie nach 40 Tage währenden
Kampfhandlungen.
Die Kachchwaha-Regenten des Fürstentums von Amer (später unter
dem Namen Jaipur bekannt) übernahmen das Fort von den Mughals, und es
blieb in ihren Händen bis Jaipur 1949 in Rajasthan einging. Die Wälder
um das herum gehörten damals namenlich zu dem nahegelegenen
Verwaltungsbezirk Sawai Madhopur und waren privates Jagdrevier des
Maharadschas von Jaipur. Eine der berühmtesten Jagdpartien, die hier
stattfinden, war eine, die 1961 für Königin Elisabeth II. und den
Herzog von Edinburgh arrangiert wurde.
1957 wurden 392 sq km als Sanctuary unter Schutz gestellt. 1974 wurde
Ranthambhore zum Tigerschutzgebiet erklärt, darüber hinaus ist es
seit 1981 Nationalpark. Die Anzahl der Tiger ist seit Beginn des
Tigerschutzprojektes von 14 auf rund 40 angewachsen. Infolge strengster
Schutzmaßnahmen haben die Tiger in den letzten zehn Jahren ihre
Aktivitäten mehr und mehr auf die Tageszeit verlegt, Tiger wären
Nachttiere. Im Ranthambore trifft man häufiger und mehr Tiger am
hellichten Tag als in jedem anderen Park oder Schutzgebiet. Sie haben
jegliche Furcht vor dem Menschen verloren und lassen sich durch seine
Gegenwart überhaupt nicht mehr stören.
Andere Raubtiere
In diesem Park lebt auch eine ansehnliche Population von Panthern, die
zweitgrößten Räuber dieser Wälder. Tiger und Panther
jagen zum Teil die gleichen Tierarten, und um mögliche Konflikte zu
vermeiden, halten sich letztere hauptsächlich in den Außenbezirken
des Parkes auf. Die meisten Exemplare dieser Katzenart wurden im
Katschida-Tal gesichtet. Da sie ihre Aktivitäten noch nicht so
furchtlos auf den Tag verlegt haben wie die Tiger, sind sie entsprechend
selten zu sehen.
Eine weitere interessante Tierart, die man im Ranthambore in und um die
Seen herum häufig beobachten kann, ist das Sumpfkrokodil. Im Laufe der
Jahre hat es sich stark vermehrt, und die zweieinhalb bis drei Meter langen
Reptilien sind daher keine Seltenheit. Sie sind leicht zu entdecken,
entweder im Wasser oder beim Sonnenbad am Ufer. Oft erspäht man sie
auch beim Überwechseln von einem See in den anderen. Sie fressen an
Land tote Sambars und versuchen, die Kadaver ins Wasser zu zerren, und das
sogar am helligen Tag.
Andere Raubtiere des Ranthambore sind Hyänen, Schakale und Rohrkatzen.
Auch Karakals wurden hier beobachtet. Die letzten Wildhunde wurden bereits
1954 gesichtet, und es gibt bislang keine Erklärung dafür, warum
die Tiere vollständig aus den Wäldern verschwunden sind.
Auf einer Fahrt durch den Park begegnen einem auch die hier ansässigen
Lippenbären. Sie halten sich meist in den Gegenden von Lakarda und
Anantpura auf.
Indische Sambars trifft man überall und in Seennähe sogar in großen
Herden. In der Brunstzeit im Winter sind sie am schönsten und tragen
große Geweihe, die allerdings noch nicht an die ihrer Artgenossen in
Zentralindien heranreichen. Bekanntermaßen watet der Sambar gern in
Wasser, das er allgemein sehr schätzt, doch hier kann man die Tiere
manchmal Stunden im Wasser zubringen sehen. Sie schwimmen und fressen sogar
in den Seen, ein Verhalten, das man eigentlich eher vom Barasingha erwarten
würde als vom Sambar.
Der Axishirsch ist im Park ausgesprochen stark verbreitet. In den warmen
Sommermonaten kommen die Tiere zu Hunderten ans Wasser. Auch
Nilgau-Antilopen kann man überall in Park antreffen. Besonders
zahlreich sind sie in Seennähe.
Auch Gruppen von Wildschweinen begegnet man rund um die Seen, und
gelegentlich zeigt sich eine Indische Gazelle. Unter den Tieren, die sich am
häufigsten am Wasserrand blicken lassen, sind Hasen und Mungos. Auch
Warane gibt es viele, die allerdings sehr scheu sind. Sie bemerken
herannahende Fahrzeuge sofort, und im Nu sind sie in ihrem Bau verschwunden.
Obwohl der Ranthambore National Park vor allem für andere Tiere
bekannt ist. Verfügt er auch über reichhaltige Vogelwelt.
Habichtsadler, Schlangenadler, Eulen, Graue Frankoline, Bunte Frankoline,
Flughühner, Wachteln, Sporenkuckucke, Blaue oder Gemeine Pfauen,
Indische Wanderelstern, Paradiesschnäpper, Wasserfasane, Buntstörche,
Schwarzstörche, Wollhalsstörche, Löffler und eine grüne
Taubenart gehören zu den Arten, die das ganze Jahr über im Park
sind. Zu ihnen gesellen sich in den Wintermonaten die Zugvögel,
darunter eine ganze Reihe verschiedener Enten.
Die Wälder liegen in den Gebieten von Aravalli und Vindhya, von denen
jedes seinen spezifischen geologischen Charakter hat. Der Wald ist trocken
und verliert einmal im Jahr sein Laub. Der überwiegende Anteil der Bäume
sind Dhok. Rondsch, Ber, Salai, hin und wieder ein Mangohain, Palmen, Banyan
und Pipalbäume verleihen ihm sein typisches Aussehen.
Pflanzen und Tiere
Ranthambhore wird von einem niedrigen, trockenen Laubwald bedeckt, der auf
kargen Böden von Dorngebüschen unterbrochen ist. Nur in tief
eingeschnittenen, schattigen Tälern und entlang von Wasserläufen können
sich immergrüne Laubbäume üppig entwickeln. Ein weiteres
Landschaftselement ist das Grasland, das auf feuchtem Boden als hoher
Grasdschungel, auf steinigen Hängen als magerer Rasen auftritt.
Ranthambhore beheimatet viele Banyanbäume, die durch ihre Luftwurzeln
beeindrucken. Der größte und schönste von ihnen steht vor
Jogi Mahal. Peepalbäume sprießen aus den Astgabeln anderer Bäume
oder aus Mauerritzen und entwickeln kräftige Wurzeln, die die Wirtsbäume
erwürgen und Mauerwerk sprengen können. Am Wasser stehen
Walddatteln und immergrüne Feigenbäume der Art Ficus racemosa.
Die häufigsten Bäume des Trockenwaldes (Anogeissus pendula, die
Akazie A. catechu, Dattelpflaume) erreichen selten Höhen von 10 m. Im März
blüht korallenrot und weithin sichtbar Flame of the Fotorest. Im Winter
reifen die kleinen, runden Früchte der Ber-Büsche und Ber-Bäume.
Sie sind für viele Tiere verlockend und selbst die Lippenbären
dringen zielstrebig in das schwankende Gestrüpp ein.
Wenn die Languren Früchte ernten, warten unten am Boden die
Axishirsche auf herunterfallende Leckerbissen. Nirgendwo in Indien lassen
sich die Sambarhirsche besser beobachten als in Ranthambhore, wo sie tief in
die Seen hineinwarten, um an grüne Wasserpflanzen zu gelangen. Dabei können
ihnen nicht nur die Sumpfkrokodile gefährlich werden. Auch Tiger warten
oft verborgen im hohen Gras auf einen günstigen Augenblick, um Jagd auf
Tiere zu machen, die sich im oder am Wasser aufhalten. Neben Hirschen gehören
Wildschweine und Pfaue häufig zu den Opfern. Weitere Söugetiere,
die man in Ranthambhore antreffen kann, sind Nilgaiantilopen, Chinkaras,
Goldschakale und Rohrkatzen. Nur selten werden Streifenhyänen und
Leoparden gesehen.
Die Liste der Vögel des Gebiets umfaßt bisher 270 Arten,
darunter Zugvögel wie Schwarzstorch, Streifengans und Fischadler.
Obwohl die Seen viele Wasservögel anlocken könnten, hält sich
deren Zahl in Grenzen. Es ist eher die Vielfalt der Vogelarten, als deren
Quantität, die den Ornithologen hier begeistert. Grauscheitellerche,
Wechselkuckuck, Gelbfußtaube, Wießstirn-Fächerschwanz,
Dschungeldrossling, Wachtelfrankolin, Wanderelster und Dickschnabelkrähe
gehören zu den häufigen Arten. Etwas mühsamer zu entdecken
sind Brauner Fischuhu, Gurial, Großer Alexandersittlich, Bankivahuhn
und Graukopf-Seeadler. Habichtsadler und Schlangenweihe sind die typischen
Greifvögel des Gebiets. In den Felsen brüten Dünnschnabelgeier,
während Bengalengeier ihre Nester in hohen Baumkronen errichten.
In den Seen leben Sumpfkrokodile, Indische Klappen-Weichschildkröten
und Indische Wasserfrösche. Weitere Reptilien sind Bengalenwaran,
Tigerpython, Kobra und Indischer Blutsauger. Zu den auffälligsten
Schmetterlingen zählen Lemon Pansy, Blue Pansy, Yellow Pancy und Lime
butterfly.
Im Park unterwegs
Der lichte Wald, der im Winter sein Laub verliert, ist leicht zu
durchblicken und bietet den Wildtieren weniger Sichtschutz als andere Wälder
in Indien.
Für Rundfahrten im Park ist ein Jeep erforderlich. Im Gebiet um die
Seen, deren Namen Padam Talao, Rajbagh Talao und Milak Talao sind,
konzentrieren sich besonders viele Tiere. Andere markante Gebiete sind
Lakarda, Kachida, Semli, Bakaula, Nalghati und Lahpur. Durch die wachsende
Besucherzahl ist es in den letzten Jahren notwendig geworden,
Reglementierungen der Besucherströme vorzunehmen. Die Fahrzeuge müssen
sich an bestimmte Routen halten, um eine gewisse Gleichverteilung zu
erreichen. Die Fahrwege dürfen nicht verlassen werden, um die
Vegetation zu schonen und den Tieren Ruhezonen zu erhalten. Es ist nicht
unbedingt ratsam, ununterbrochen mit seinem Fahrzeug herumzufahren. Vielmehr
sollte man an Wasserstellen oder Seen stehenbleiben, um Tiere in Ruhe zu
beobachten. Bei der Jagd nach dem Tiger wird schnell vergessen, daß
der besondere Charme von Ranthambhore erst durch die Fülle von
Natureindrücken zustande kommt.
Wer in Ranthambhore mit einiger Sicherheit einen Tiger sehen möchte,
sollte mindestens 2 Tage Zeit haben. Trotzdem gehört natürlich
etwas Glück dazu, um eine der gestreiften Großkatzen zu Gesicht
zu bekommen. Es ist ein enorm spannendes Erlebnis !
Enfernung von Ranthambhore :
Jaipur
195 km,
Bundi 125 km
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