Die
Wüste Thar lebt
Der Name Thar wurde von dem Wort t`hul abgeleitet, einer Bezeichnung für
die Sanddünen der Region. Die große indische Wüste liegt in
einem klassischen Wüstengürtel, der die Erdkugel zwischen 15 und
30 Grad nördlich und südlich des Äquators umspannt. Sie
erstreckt sich über 200 000 sq km. von Great Rann (Rann of Kutch) im
nordwestlichen Gujrat bis zur Grenze zwischen Pakistan und Punjab. Die
Trockenheit des Bodens und die atmosphärischen Verhältnisse haben
sie zu einer äußerst trostlosen Gegend gemacht. So weit das Auge
reicht, ist die Oberfläche gewellt. Die Bodenbeschaffenheit ist
unterschiedlich, aber das Fehlen des Wassers fällt in Gewicht. Wo der
Monsun in den südlichen Regionen der Wüste seine wohltuende
Wirkung zu bringen vermag, sprießen für kurze Zeit saftige Kräuter.
Nach dem Regen
Einige Pflanzen und Tiere überleben in der Wüste, indem sie größte
Hitze und Trockenheit meiden. Sie kommen nur nach Regenfällen zum
Vorschein. Pflanzen können in Form von Samen jahrelange Dürreperioden
überdauern.
Die Samen keimen nur, wenn es ergiebig
regnet. Dann ist genügend Wasser da, dass schnell wachsende Pflanzen Blüten
und neue Samen hervorbringen können. Die Eier von Wüstenkrebsen
wie den Salzkrebsen und Rückenschalern brauchen ebenfalls Wasser, um
zum Leben zu erwachen. Beim ersten Regen schlüpfen nicht schon aus
allen Eiern Larven. So ist eine Reserve vorhanden, falls der Tümpel
austrocknet, noch ehe die neue Generation sich vermehrt hat. Auch bei den
Schaufelfußkröten erwachen nicht alle nach dem ersten Regen.
Diese Amphibien verbringen die Trockenzeit im Sand vergraben. Sobald sie
aber den Regen auf die Erde trommeln hören, kommen sie heraus.
Insekten
Wie für alle Tiere besteht auch für die Insekten in der Wüste
das größte Problem darin, genug Nahrung und Wasser zu finden.
Einige Pflanzenfresser, z.B. die Schmetterlingsraupen, ernähren sich
vom frischen Grün, das nach einem Regen überall in der Wüste
sprießt. Die Trockenzeit überdauern diese Tiere als Eier oder als
Puppen, aus denen erst bei ausreichender Feuchtigkeit ein Falter schlüpft.
Samenfresser wie die Ernteameisen legen Vorräte für die
Trockenzeit an. Honigtopfameisen funktionieren gar einige Nestgenossinnen zu
lebenden Speichertöpfen um. Räuberische Insekten nehmen die benötigte
Feuchtigkeit mit der Körperflüssigkeit der Beute auf. Für
viele Insekten ist Tau eine wichtige Wasserquelle und manche Käfer
haben spezielle Tausammelmethoden. Um nicht von der sengenden Sonne ausgedörrt
zu werden, kommen viele Wüsteninsekten erst nachts aus ihren
Verstecken.
Vogelarten

In
der Wüste Thar leben die verschiedensten Vogelarten: Zahlreiche Raubvögel
und Spießflughühner, Tauben, Wachteln, Rebhühner, Würger,
Fliegenschnäpper, Bienenfresser, Grasmücken und Wüstenläufer.
Der eindrucksvollste Vogel ist die Indische Groß-Trappe. Da die
Trappen nur ungern fliegen, begnügen sie sich mit einer Mischkost aus
Heuschrecken, Grashüpfern. Samenkörnern, Beeren, Eidechsen und
sogar Schlangen. Viele Vögel, u.a. der Strauß, legen ihre Eier
einfach auf dem Boden ab, doch ihre Jungen sind gefährdet. Andere brüten
in Gestrüpp, Spechte nisten in Höhlen in Kakteen. Wo immer es möglich
ist, suchen die Vögel sich ein schattiges Plätzchen. Für
einige ermöglicht der Flug in großen Höhen eine Flucht aus
der Hitze der Wüste. Vögel haben eine höhere Körpertemperatur
als Säugetiere und können daher auch höhere Außentemperaturen
vertragen. Schwitzen können sie nicht nicht. Stattdessen hecheln sie
oder flattern bei offenem Schnabel mit der Kehle. Dieses Kehlflattern lässt
Wasser aus ihren Atemwegen verdunsten und verschafft den Vögeln Kühlung.
Wüstenbussard : Trockene Landschaften mit Gestrüpp sind der
Lebensraum des Wüstenbussards. Im Gegensatz zu den meisten anderen
Greifvögeln paaren sich Wüstenbussard- Weibchen mit vielen Männchen.
Das Nest wird erhöht angelegt, z.B. in einem Kaktus oder einem
Mesquite-Strauch. Zur Beute der Wüstenbussarde zählen Käninchen,
Eidechsen, Goldspechte und Erdhörnchen. Spießflughühner müssen
täglich trinken. Sie überbrücken deshalb Distanzen von mehr
als 50 km bis zur nächsten Wasserstelle, wo sie mit dem Brustgefieder
Wasser aufnehmen und zurück ans Nest zu den Jungvögeln
transportieren.
Säuger
Kleine Wüstensäuger flüchten sich vor extremen Temperaturen
in Erdbaue. Dort schwankt die Temperatur nicht so stark. Je tiefer der Bau,
desto besser ist die Isolation. Daher graben einige Tiere, z.B. die Mäuse,
besonders tiefe Sommerhöhlen, in denen sie der Hitze entkommen. In den
kalten Wüstennächten und im Winter ist es in einem Bau wärmer
als über der Erde. Die Gänge werden aber nicht nur als Wohnung
benutzt, sondern auch als Vorratsspeicher, in denen z.B. Samen für
schlechte Zeiten aufbewahrt werden. Viele kleine Säugetiere kommen erst
nachts aus ihren Höhlen und meiden so die Hitze und auch tagaktive
Raubtiere. Wenn Kleinsäuger ihre Verstrecke tagsüber oder in
mondhellen Nächten verlassen, sind sie durch ihre Fellfarbe getarnt.
Einige kleine Säuer entkommen Feinden oder flinkes Davonhuschen.
Dorkasazelle: Diese Gazellen leben in Herden von bis zu 50 Tieren dort, wo
es genug Gras gibt. Die Männchen haben einen Harem von bis zu sieben
Weibchen. Zur Geburt ziehen sich die Weibchen aus der Herde zurück.
Obwohl die Jungen gleich laufen können, sind sie vor allem direkt nach
der Geburt durch Adler, Wüstenluchse und Hyänen gefährdet.
Schakale: Schakale leben auch in der Wüste Thar.