Ghats am Flussufer
Die größte Attraktion Varanasis sind nicht seine Bauwerke,
sondern die religiösen Handlungen der Hindus an den vielen Badetreppen
(Ghats) des von den Hindus als Göttin Ganga verehrten heiligen Flusses
Ganges. Die Ghats reihen sich wie Perlen 5 km lang am Südufer des
Ganges aneinander. Die vielen Ghats sind es, die der Stadt ihren Charakter
verleihen. An den Ghats stehen gewöhnlich kleine Tempel während
die größeren Bauten mit ihren mächtigen Göttern und Göttinnen
des Hindupantheons den imposanten Hintergrund bilden. Über jedes Ghat
ezählt man sich in Varanasi eine Geschichte. Viele der Ghats wurden von
indischen Fürstenfamilien gebaut, denen sie auch gehörten. Das
religiöse Leben konzentriert sich heute zunehmend auf die Ghats von
Daswamedh und Manikarnik.
Die ersten Strahlen der Sonne tauchen den Ganges in gelbe, rötliche,
grünblaue Farben- immer wieder gebrochen vom Dunst, der vom Wasser
aufsteigt, vom Rauhreif, der noch auf den Flusstreppen liegt, vom Rauch der
Feuer, der aus den Häusern quillt. Im Wasser treiben Blüten und
Girlanden, der Göttin Ganga dargebracht, treiben flackernde Öllichter
auf tönernen Schälchen oder auf Blätter-Tellern flussabwärts,
bis eine Welle sie verschluckt. Glockenklang aus nahen Tempeln und Schreinen
mischt sich mit Stimmen von überall her - und doch liegt über
diesem Bild eine beeindruckende große Ruhe.
Von morgens bis abends strömen Tausende hinduistischer Pilger hierher,
um im Ganges zu baden oder heilige Rituale durchzuführen, wodurch sie
sich Erlösung erhoffen. Manch einer nähert sich aber auch mit
einem persönlichen Anliegen, der Bitte um einen Sohn, um Heilung von
einer Krankheit, in der Hoffnung auf gute Ernte oder bessere Examensnoten.
Vor allem Frauen kommen und beten für das Wohlergehen ihrer Männer,
denn ohne sie sind sie fast verloren.
Mit gefalteten Händen schöpfen die Badenden Wasser für ihre
Wunschgötter und für die Vorfahren : Fließt es über die
Fingerspitzen zurück, ist es für die Götter, tropft es vom
Daumenballen, gilt es den Ahnen.
Nach dem Bad steigen sie die Stufen zu ihrem Priester hinauf, legen die
trockenen Kleider an, leihen sich einen Spiegel, um sich das Haar zu ölen
und zu kämmen. Auch lassen sie sich vom Panda (Priester) die Tika
(Stirnzeichen) geben. Er hält dafür Stempelkissen bereit und drückt
ihnen nach Wunsch mit gelber Sandelholzpaste oder Zinnober den Namen der Götter
auf die Stirn. Mit ein paar Münzen entlohnen sie ihn. Körper und
Seele gereinigt, Götter und Manen versorgt, ziehen die Bewohner der
Stadt und die Pilger, in der Hand einen Tontopf mit Gangeswasser, zum
Visvanatha-Tempel, begrüßen den Gott des Universums; verehren und
umwandeln ihn.
Man kann die gesamte Szenerie am besten von einem gemieteten altertümlichen
Ruderboot aus betrachten, wenn der Bootsmann langsam den Fluss entlangrudert
und an wichtigen Stellen anhält. Am besten fängt man die
Bootsfahrt am Dasawamedha Ghat an und schaut sich in Ruhe die verschiedenen
Ghats an. Hier hat der Besucher die best Gelegenheit, das bunte und höchst
malerische Leben und Treiben am Fluss und das Wesen des Hinduglaubens
kennenzulernen
Ein Teleobjektiv zum Fotografieren ist gut, damit Sie beim Baderitual nicht
stören. Verboten ist es, Aufnahmen von den Verbrennungsplätzen zu
machen (am Manikarnika Ghat), wo die Leichen der Männer in weiße,
die der Frauen in farbige Tücher gewickelt auf den Holzstapel gelegt
und verbrannt werden.
Wenn die Seele den Körper verlassen hat, tragen die männlichen
Verwandten den Leichnam auf Bahren durch die engen Gassen zum Fluss. Der älteste
Sohn des Verstorbenen hat sich das Haar scheren lassen und kommt in sauberes
weißes Tuch gekleidet. Der Leichnam wird auf den Scheiterhaufen
gelegt, einige Sandelholzspäne darauf geworfen, dann zündet der
Sohn das Holz an. Überall auf den Ghats hört man das gesungene
Gebet Ram nam satya hain Gottes Name ist Wahrheit".
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Der Tod wird oft als Schlaf vor der Wiedergeburt betrachtet. Wenn man
morgens aufwacht, ist man derselbe Mensch wie am Abend zuvor, obwohl das
Bewusstsein über Nacht nicht da war; genauso geht auch das Seele
(Atman) von einem Körper in den anderen über, während das
Bewusstsein schläft. Nur der Körper stirbt , er ist eine vergängliche
Hülle, dessen Bestandteile bei der Einäscherung zu ihrem Ursprung
zurückkehren, das Auge geht zur Sonne, der Atem zum Wind. Beim
hinduistischen Begräbnisritual spricht man nicht von den vergangenen
Taten der Verstorbenen, sondern wendet sich an die Seele:,,Geh hin, geh hin
auf den alten Pfaden der Vorfahren", denn die Seele ist nicht zerstörbar
und damit unsterblich.
Der Totengott Yama hat in Varanasi keine Macht, denn dies ist die Stadt der
Erlösung (Moksha). Hier darf er die Seelen nicht in die Hölle führen
oder zu einer neuen Wiedergeburt. Hier leitet Shiva sie zur Erlösung
und flüstert ihnen das Mantra zu, das ihnen die Überfahrt ermöglicht.
Daher kommen viele Menschen, die sich ihrem Lebensende nähern,
besonders Witwen, hierher um auf den Tod zu warten
Die Leichname von Säuglingen und sehr heiligen Männern weden
nicht verbrannt; hin und wieder kommen sie aufgebläht an die Oberfläche
und treiben vorbei. ,,Säuglingen sind wie Blumen, so schön, so
rein, auch sie darf man nicht dem Feuer übergeben."
Da Holz sehr teuer ist, erfolgt oft keine vollständige Verbrennung.
Daher wird nicht nur Asche in den Fluss gestreut, sondern unterhalb von
Varanasi treiben auch nicht vollständig verbrannte Leichenteile. Die
elektrischen Krematorien, in denen Einäscherungen ein Zehntel des
Preises einer traditionellen Verbrennung kosten, werden von vielen Pilgern
gemieden. Sie befürchten, in den modernen Betonbauten abseits des
Flusses würden die Seelen nicht erlöst, sondern verdammt.
Am Ganges erinnern Bettler die frommen Hindu-Pilger an ihre religiöse
Pflicht, Gutes zu tun und Almosen zu spenden. Das Bettlerschicksal gilt dem
Hindu als Resultat einer früheren Existenz. Die ausgemergelten Frauen,
Armen, Siechen und Alten sind es, die den Weg zum Heiligtum säumen und
mit ihrem Singsang des Bettelns den Gläubigen begleiten, der jedem eine
Münze in die Büchse wirft und dafür Dank und vielleicht auch
den erhofften Segen erntet. Wenn Sie Bettlern etwas geben möchten,
sollten Sie vorher reichlich kleine Münzen eintauschen. Bei den Ghats
gibt es Geldwechsler, die genau zu diesem Zwecke dort sitzen.
Bummel durch die engen Gassen
Die alte Stadt Varanasi am westlichen Ufer des Ganges ist ein Gewirr unzähliger
Gassen und Gässchen. Diese Gassen, in denen gerade genug Platz zum
Laufen ist, bilden einen nicht wegzudenkenden Bestandteil des modernen
Varanasi. Ein Spaziergang durch sie ist ein grosses Erlebnis, da sich hier
das Leben dieser Stadt abspielt. Erleben Sie hier wie Menschen und Tiere
harmonisch miteinaderleben !
Vishvanath Tempel
In Varanasi wird als oberste Gottheit Shiva verehrt. Mehrere hundert Tempel
und Anbetungsstätten sind ihm geweiht. Shiva wird hier Mahadeva (Großer
Gott) oder Vishvanath genannt. Er stellt die Kräfte der Dreifaltigkeit,
die zahlreiche Erscheinungsformen hat, dar, In Varanasi ist sein Symbol das
Phalluszeichen, der Lingam. Er symbolisiert die Zeugungskraft Schivas.
In der verkehrsreichen Innenstadt, nahe bei den Ghats, erhebt sich im
Stadtteil der Vishvanath-Tempel, der als heiligster Tempel der Stadt gilt.
Man erreicht diesen Tempel von den Ghats am besten durch die malerische
Basargasse.
Der Überlieferung nach wurde der erste Tempel schon vor etwa 2200
Jahren hier erbaut und nach jeder Zerstörung im gleichen Stil und am
gleichen Platz wieder errichtet. Unter dem Mogulkaiser Aurangzeb (17.Jh.)
stand an der Stelle des Tempels eine große Moschee. Die heutigen
Tempelgebäude stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie sind eine
Stiftung der Maharani Akalyabai von Indore (1777).
Besondere Beachtung verdienen der glockenförmige Turm mit kleinen
Seitentürmchen und die Kuppel. Ihr Kupferüberzug ist mit reich
verzierten Goldplatten belegt. Diese sind ein Geschenk des Sikh-Herrschers
des Punjab, des Maharadschas Ranjit Singh (1835).
Der Tempel ist nur für Hindus zugänglich, aber der Gang durch die
engen Gassen, die zum Tempel führen, ist von unzähligen Geschäften,
die Opfergaben verkaufen, gesäumt, und es lohnt sich, hier herumzugehen
und das Treiben zu beobachten. Seit den Spannungen zwischen Hindus und
Moslems wird das Gelände um den Tempel schärfstens bewacht.
Gyanvapi-Moschee
Die große hinter dem Vishvanath-Tempel befindliche Moschee, die vom
Fluss aus gut zu erkennen ist, wurde von dem Mogulkaiser Aurangzeb
errichtet, im Jahre 1699 den davor gebauten Vishvanath-Tempel von Raja Man
Singh zerstörte. Die Steine des hinduistischen Tempels wurden für
die Wände der neuen großen Moschee verwendet.
Diese Moschee bot häufig Anlass für Konflikte. So wollten 1809
Hindus einen kleinen Schrein zwischen der Moschee und dem wiedergebauten
Vishvanath-Tempel errichten, was zu äußerst gewältätigen
Auseindersetzungen zwischen Hindus und Muslimen führte, die sich bis in
die Gegenwart erstrecken.
Bharat-Mata-Tempel
Er wurde vor einigen Jahren als Wahrzeichen des Kampfes um die Unabhängigkeit
von der britischen Herrschaft erklärt In dem Gebäude sind keine Götterfiguren
zu finden. Stattdessen wurde im Boden ein großes Marmorrelief, das den
indischen Subkontinent darstellt, eingelassen. Der von Mahatma Gandhi
eingeweihte Tempel wurde "der Mutter Indien'' gewidmet.
Hindu-Universität von Varanasi
Varanasi ist seit jeher ein Zentrum des Lernens. Neben Sanskrit wurde hier
Musik und Tanz gelehrt. Die südlich vom Stadtzentrum gelegene Benares
Hindu Universität ist eine der größten und berühmtesten
Universitäten in Indien. Gegründet würde sie 1916 durch eine
Schenkung des Rechtsanwalts Pandit Madan Mohan Malviya.
Auf ihrem Campus leben 8000 Studenten, die sich in erster Linie mit der
hinduistischen Kultur, Religion und indischer Geschichte befassen. Eine
Sammlung von über 150 000 seltenen Manuskripten sind in der Universitätsbibliothek
zu finden.
Die rituellen
Waschungen erleben Sie am Ganges hautnah mit !